Flüsse und ihre Städte: Der Rhein

Seit vielen Jahren wohne ich in Bern und bin eine fleissige Aare-Spaziergängerin. Ich liebe diesen Fluss, weil er dem Trubel der Stadt weitgehend entzogen, in seinem Flussbett unterhalb der historischen Halbinsel, seine eigene Poesie verbreitet. Wenn ich in meiner Heimatstadt Basel zu Gast bin, bin ich jedes Mal erstaunt darüber, wie viel breiter dieser Fluss ist als die Aare. Auf dem Weg Richtung Landesgrenze, Deutschland, Frankreich und schliesslich der Niederlande, wo er ins Meer fliesst, schwillt er mehr und mehr an. Dies ist der zweite Teil der mehrteiligen Serie „Flüsse und ihre Städte“ und der Rhein und seine majestätische Breite passen zu Basel. Dies vor allem angesichts der Gebäude der Basler Chemie, die mit ihrer Architektur signalisieren, dass wir es mit einer Branche mit einem internationalen Anspruch zu tun haben.Die Chemie ist auch dank Rheinischem Wasser gross geworden. Doch sie hatte nicht nur ein ungetrübtes Verhältnis zum Rhein. Wer wie ich am 1. November 1986 in Basel lebte, als giftiges Löschwasser bei Schweizerhalle in den Rhein gelangte und den Fluss rot färbte, wird diesen Höhepunkt eines Konflikts zwischen Wirtschaft und Wasser nicht vergessen.

Gehen wir hier doch etwas in die Tiefe zum Thema Flüsse und ihre Städte bzw. der Rhein und die Wirtschaft.

Der Rhein ist einer der längsten und wichtigsten Flüsse in Europa. Er entspringt in den Schweizer Alpen und fließt durch mehrere Länder, darunter Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und die Niederlande, bevor er in die Nordsee mündet. Er ist etwa 1.230 Kilometer lang und spielt eine wichtige Rolle für den Handel und die Schifffahrt in Europa. Er ist auch bekannt für seine malerischen Landschaften, historischen Städte oder Weinregionen entlang seiner Ufer. Doch der Rhein als Wirtschaftsmotor ist unzweifelbar eine seiner wichtigsten Attribute.

Der Rhein als Wirtschaftsmotor

Entlang des Rheins haben sich in vielen Städten wichtige Wirtschaftszentren mit Unternehmen angesiedelt wie beispielsweise:

  1. Basel: In Basel, der Schweizer Stadt, wo der Rhein aus der Schweiz nach Deutschland fließt, hat sich die Pharmaindustrie stark entwickelt. Unternehmen wie Novartis und Roche haben hier ihren Hauptsitz.
  2. Düsseldorf: Düsseldorf ist ein wichtiger Standort für Mode und Werbung in Deutschland. Viele Unternehmen haben sich hier angesiedelt, darunter auch der Telekommunikationsriese Vodafone.
  3. Köln: In Köln sind viele Medienunternehmen ansässig, darunter der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der Fernsehsender RTL.
  4. Rotterdam: Rotterdam in den Niederlanden hat den größten Seehafen Europas und ist ein wichtiger Standort für Logistik-Unternehmen.

Diese Städte profitierten in der Vergangenheit und auch heute noch von der guten Erreichbarkeit und Infrastruktur, die der Rhein bietet. Die Rheinschifffahrt ermöglicht etwa den Transport von Waren und Gütern auf eine effiziente und umweltfreundliche Weise. In der Vergangenheit war sie ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen entlang des Flusses. Sie ermöglichte den Handel zwischen den Städten und Ländern und trug zur Industrialisierung bei.

Auch heute noch ist die Rheinschifffahrt von großer Bedeutung und ein wichtiger Bestandteil der Logistik-Ketten vieler Unternehmen. Insbesondere für die Industrie, zum Beispiel in den Bereichen Chemie, Stahl oder Energie, ist der Transport von Rohstoffen und Produkten über den Rhein zentral, ebenso für die Landwirtschaft und den Tourismus. Darüber hinaus ist die Rheinschifffahrt auch aus ökologischer Sicht von Vorteil, da der Transport von Waren auf dem Wasserweg im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern deutlich weniger CO2-Emissionen verursacht.

Der Rhein und Basel

Basel ist ein hervorragendes Beispiel, um über die Beziehung von Rhein und Wirtschaft zu sprechen. Gleich zwei wichtige Branchen haben sich hier erfolgreich angesiedelt.

  1. Basel hat eine reiche Geschichte in der Papierherstellung. Im Mittelalter war Basel ein bedeutendes Zentrum für die Papierproduktion in Europa. Die Stadt profitierte von ihrer Lage am Rhein, der sowohl als Transportweg für die Anlieferung von Rohstoffen und den Versand der fertigen Produkte diente, als auch eine wichtige Wasserquelle für den Papierherstellungsprozess war. Die Papiermühlen in Basel nutzten die Wasserkraft des Rheins, um die Produktionsmaschinen zu betreiben. Dies wiederum war ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Stadt als Zentrum der Buchdruck-Kunst. Tatsächlich war Basel die Heimat von Johann Amerbach und Johann Froben, zwei der bekanntesten Drucker und Verleger des 15. und 16. Jahrhunderts. Heute erinnert die Basler Papiermühle an diese Geschichte und bietet Besuchern die Möglichkeit, mehr über die traditionelle Kunst der Papierherstellung zu erfahren.
  2. Die Beziehung zwischen der Basler Pharmaindustrie und dem Rhein ist eng und komplex. Insgesamt ist/war der Rhein  sowohl ein wichtiger Ressourcen-Lieferant als auch ein kritischer Transportweg für die Pharmaindustrie in Basel. Unternehmen wie Novartis und Roche haben ihren Hauptsitz in Basel und nutzen den Rhein für verschiedene Zwecke. Erstens bietet der Rhein, wie oben bereits erwähnt, eine wichtige Transportroute. Viele Rohstoffe und Produkte werden über den Fluss transportiert, was eine effiziente und kostengünstige Methode ist. Zweitens hat der Rhein auch eine historische Bedeutung für die Pharmaindustrie in Basel. Die ersten chemischen und pharmazeutischen Unternehmen in Basel entstanden im 19. Jahrhundert entlang des Rheins, da sie das Wasser für ihre Produktionsprozesse benötigten.

Der Rhein und Köln

Schauen wir zum Vergleich die Stadt Köln an. Auch sie hat direkt und indirekt wirtschaftlich von der Nähe zum Rhein profitiert mit:

  1. Transport und Logistik: Auch in Köln ist der Rhein eine wichtige Wasserstraße, die den Transport von Waren und Rohstoffen ermöglicht. Dies hat dazu beigetragen, dass Köln zu einem wichtigen Logistikzentrum geworden ist[1].
  2. Tourismus: Der Rhein zieht jedes Jahr viele Touristen an, die die malerische Landschaft und die historischen Stätten entlang des Flusses besuchen. Dies hat zur Entwicklung des Tourismussektors in Köln beigetragen.
  3. Energie: Der Rhein liefert auch Wasser für die Kühlung von Industrieanlagen und Kraftwerken, was für viele Unternehmen in und um Köln wichtig ist.
  4. Medien und Kultur: Der Rhein hat auch zur kulturellen Entwicklung von Köln beigetragen. Die Stadt ist bekannt für ihre lebendige Kunst- und Kulturszene, die auch viele Medienunternehmen anzieht.

Was den Einfluss eines Flusses auf die Medien- und Kulturszene anbetrifft, ist dieser zwar eher mittelbar. Aber seine Bedeutung für Kultur und Medien geht oft vergessen, weil die «Währung» der wirtschaftlichen Nützlichkeit eines Flusses die härtere ist. Vor kurzem lese ich, dass während der griechischen Antike viele der damaligen Denker und Philosophen nicht etwa auf dem Festland, sondern in den Häfen der Ägäis lebten. Der Reichtum an Information und Kommunikation hat deren Denken beeinflusst und damit herausragende Philosophie ermöglicht.

Deshalb sei hier erwähnt, dass der Rhein auf vielfältige Weise auch zur Medien- und Kulturszene in Köln beiträgt. Er fließt durch Regionen mit reicher Geschichte und Kultur. Darauf basieren Geschichten in Büchern, Filmen, Musik und anderen Medienformen. Darüber hinaus sind Städte wie Köln und Düsseldorf wichtige Medienzentren. In Köln befinden sich beispielsweise der Westdeutsche Rundfunk und der Fernsehsender RTL. Diese Medienunternehmen produzieren eine Vielzahl von Inhalten, die die Medienlandschaft prägen.

Der Rhein war auch in der Vergangenheit eine Inspirationsquelle für Künstler. Seine Landschaften und Städte wurden und werden in Gemälden, Fotografien, Filmen und anderen Kunstwerken dargestellt. Darüber hinaus finden entlang des Rheins zahlreiche Kulturveranstaltungen statt, wie Musikfestivals, Theateraufführungen und Kunstausstellungen.

Schließlich trägt der Rhein auch zur Kulturszene bei, indem er ein Ort für Freizeit und Erholung ist. Die Ufer des Rheins sind oft Orte, an denen Menschen zusammenkommen, um zu feiern, Musik zu hören oder einfach die Aussicht zu genießen. Diese sozialen Interaktionen können zur Entstehung neuer kultureller Ideen und Trends beitragen.

Stärkere Regulierung

Die produzierende Wirtschaft wie etwa die Pharmaindustrie haben den Rhein in der Vergangenheit oft geschädigt. Heute sind die Unternehmen jedoch stärker reguliert und es existieren strengere Vorschriften zum Schutz des Rheins. Wie ich gehört habe, leitet die Basler Chemie ihre Abwässer mittlerweile nicht mehr in den Rhein. Die Regulierung der industriellen Abwässer in den Rhein begann in den 1970er Jahren, als die negativen Auswirkungen der Verschmutzung auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit immer offensichtlicher wurden. Ein wichtiger Meilenstein war die Gründung der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) im Jahr 1950, die jedoch erst in den 1970er Jahren wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität einleitete. Ein entscheidender Wendepunkt war aber sicherlich der Sandoz-Chemieunfall, bei dem eine große Menge giftiger Chemikalien in den Rhein gelangte und ein massives Fischsterben verursachte. Dies führte zu einem verstärkten Bewusstsein für die Notwendigkeit strengerer Umweltauflagen und zur Einführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität.

Wasserqualität hat sich verbessert und

Trotzdem soll nicht ungesagt bleiben: Heute hat sich die Wasserqualität des Rheins erheblich verbessert. Viele früher verschwundene Arten kommen zurück. Basel fördert die Wiederansiedlung des Lachs. Und das Wasser ist in vielen Abschnitten wieder zum Schwimmen geeignet. Trotzdem gibt es immer noch Herausforderungen, insbesondere durch neue Schadstoffe wie Mikroplastik und Medikamentenrückstände. Die IKSR und die anliegenden Länder arbeiten weiterhin zusammen, um die Wasserqualität des Rheins zu verbessern und zu schützen.

Vorteile der Schifffahrt sind wegen Klimawandel unter Druck

Heute haben jedoch niedrige Wasserstände im Rhein und anderen Flüssen eine erhebliche Auswirkungen auf die Schifffahrt und damit auf die Wirtschaft. Schiffe können nicht mehr voll beladen werden, damit sie nicht auf Grund laufen. Dies führt zu einer geringeren Transportkapazität und kann die Kosten für den Transport von Waren erhöhen. Darüber hinaus können niedrige Wasserstände auch dazu führen, dass bestimmte Streckenabschnitte für Schiffe unpassierbar werden, was zu Verzögerungen im Warenverkehr führt. In extremen Fällen kann die Schifffahrt auf bestimmten Abschnitten des Flusses sogar vollständig zum Erliegen kommen. Langfristig könnten solche Veränderungen dazu führen, dass Unternehmen ihre Logistik-Strategien überdenken und möglicherweise verstärkt auf andere Transportmittel wie LKW, Bahn oder Pipelines setzen.

Dieses Problem haben wir aber heute, wo ich diesen Beitrag fertigstelle nicht. Im Gegenteil: Viele Gewässer haben mit dem Übermass an Regenmassen zu kämpfen.

[1] Es gibt mehrere Unternehmen in Köln, die den Transport von Gütern auf dem Rhein anbieten. Ein Beispiel ist die Reederei „Rhenus PartnerShip“. Sie bietet verschiedene Dienstleistungen im Bereich der Binnenschifffahrt an, darunter den Transport von Massengütern, Containern und Projektladungen.

 

Hier geht es zur Einführung ins Thema.

 

About the Author
Seit Dezember 2020 veröffentlicht Claudia Acklin alle drei Wochen eine Episode ihres Podcasts. "Nature and the city - Die Natur und Stadt" beschäftigt sich mit Stadtökologie, Biodiversität und dem Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Stadtbewohner. - Claudia Acklin studierte Designmanagement, Sozialpädagogik und Journalismus und arbeitete mehr als 12 Jahre als Journalistin und Dokumentarfilmerin. Bis 2015 war sie hauptsächlich im Bildungs- und Forschungsbereich tätig und entwickelte neue Studiengänge wie den BA Design Management, International (DMI) oder eine Forschungsgruppe zu Design Management und Design Innovation an der Hochschule Luzern - Design & Kunst. Sie ist Gründungsmitglied des Vereins "Swiss Design Transfer", einem regionalen Zentrum für Designpromotion und -unterstützung für KMU. Und sie war die Gründerin und erste Geschäftsführerin des Creative Hub, einer Plattform zur Unterstützung von Start-ups im Schweizer Designsektor. Sie hat einen Doktortitel in Design von der Lancaster University/Imagination mit besonderem Schwerpunkt auf Innovation und Designmanagement. Von 2016 bis Mitte 2022 war sie die Leiterin der Geschäftsstelle der ausserparlamentarischen Kommission Schweizerischer Wissenschaftsrat SWR: **************** Since December 2020, Claudia Acklin publishes an episode of a podcast every three week. "Nature and the city" deals with urban ecology, biodiversity and climate change and the implications of the latter for citizens living in cities. - Claudia Acklin studied design management, social pedagogy and journalism; she worked for more than 12 years as a journalist and documentary filmmaker. Until 2015, she has mainly been working in the educational and research field and developed new study programmes such as the BA Design Management, International (DMI) at Lucerne School of Art and Design or a research group on design management and design innovation. She also is a founding member of the association “Swiss Design Transfer”, a regional centre for design promotion and support for SMEs. And she was the founder and first managing director of the Creative Hub, a platform to support start-ups of the Swiss design sector. She holds a PhD in design from Lancaster University/Imagination with a special focus on innovation and design management. From 2016 until mid 2022 she was the head of the secretariat of the extra-parliamentary commission Swiss Science Council SSC.

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